EditorialIch hab da so ein Lied im Kopf

Ihr Lieben,

»listen to your heart, when he’s ­calling for you, listen to your heart, there’s nothing else you can do …« Beim Lesen dieser Zeilen haben doch die meisten von uns sofort die Melodie dazu im Kopf. Roxette, so hieß die schwedische Band, die mit diesem Song und ihrer Sängerin Marie Fredriksson die Welt eroberte. Diese kleine Frau mit den platinblonden Haaren ist 2019 leider an Brustkrebs gestorben – darum, bitte, geht alle zur Krebsvorsorge! Danke! 

Listen to your heart – hör auf dein Herz – ist das Motto und Titelthema dieser neuen Ausgabe. Tja, wenn das nur immer so einfach wäre. Wir vertrauen einerseits auf unser Herz, anderseits darauf, dass nur die besten Entscheidungen uns ein großartiges Leben garantieren. Und leider ist unser Herz immer wieder auch befangen. Es ist eben nur Teil der übergeordneten Schaltzentrale. Der mensch­liche Geist kann dem Himmel entgegenfliegen, er kann einen aber auch hart landen lassen. 

Frühlingsgefühl
Passend zu seinem tulpenroten Pullover zaubert Stylistin Natalie Arslan ein ganz natürlich-sonniges Finish auf Guidos Teint.
Foto: privat

Hör auf dein Herz. Diesen Satz bekommen wir seit frühester Kindheit eingetrichtert, aber mal Hand aufs selbige: Wie oft halten wir uns tatsächlich an diesen gut gemeinten Rat? Wie selten ist es möglich, Herzensangelegenheiten wirklich konsequent umzusetzen? 

In dieser Ausgabe kommen acht Menschen zu Wort, die davon berichten, wie sie in den unterschiedlichsten Lebenssituationen auf Verstand und Konventionen gepfiffen haben und ihrem inneren Impuls gefolgt sind (Seite 72).

Wer auf sein Herz hört und vertraut, der kann dabei mitunter einen radikalen Richtungswechsel vornehmen. Man stelle sich einmal vor, morgens halb zehn in Deutschland würden nicht alle Leute an einen Schokoriegel für die erste Arbeitspause denken, sondern ­einfach nur auf ihr Herz hören – und den Verstand und die vermeintliche Vernunft ganz bewusst mal außer Acht lassen. 

Würde das Chaos um sich greifen? Einiges wäre ganz sicher nicht mehr, wie es vorher einmal war: Ein Viertel der Bevölkerung würde sich umgehend zu einer Umschulung anmelden. Oder gar nicht mehr zur Arbeit kommen. Schon um zehn Uhr würden viele Menschen sich von ihren Partnern trennen – und einige sich auf ein komplett neues Leben einlassen. 

Um viertel vor 11 kommt der Bus nicht, im Supermarkt wird die Schlange vor den Kassen immer länger – »die 12 bitte an Kasse 3, die 12 bitte!« Um 11.30 Uhr laufen unsere Kinder unbetreut durch die Innenstadt, so manche Dienstleistung wäre eingestellt. Um 13.30 Uhr würde die Verwaltung zusammenbrechen. Spätestens. Und mein so fürchterlich unfreundlicher Sachbearbeiter würde sich auf den Weg machen, um sich bei mir zu entschuldigen. »Es tut mir leid, Herr Kretschmer, dass ich ihren Antrag noch nicht bearbeitet habe.« Vielleicht würde er danach Seelsorger werden. 

Aber eines wäre auch sicher: Sehr viele Menschen würden ­bleiben, was und wer sie sind, und einfach so weitermachen wie immer. Aber vielleicht würden sie immerhin dieses und jenes zum Besseren verändern – weil ihnen ihr Gefühl den entscheidenden Tipp gegeben hat. Auf sein Herz zu hören ist also mitunter etwas gefährlich. Es ist aber dann und wann unerlässlich, wenn wir ein glückliches Leben haben wollen! 

Summer in the City
Äh, bei der Geburt getrennt? Fotograf Florian Jaenicke für uns auf Reportage­reise in Taipeh.
Foto: Florian Jaenicke

»Listen to your heart, when he’s calling again« – dieser Ohrwurm wird euch jetzt sicher den restlichen Monat begleiten … gut so, denn das Frühjahr birgt doch immer auch eine große Chance zur Erneuerung. Der Winter ist geschafft, das Licht nah. Okay, in Zeiten der Pandemie sind Jahreszeiten auch keine verlässliche Konstante mehr, aber kein Grund zur Sorge: Hier in der Redaktion haben wir einstimmig entschieden, der Frühling kommt! 

Und das ist für unsere Moderedakteurinnen jedenfalls immer eine besonders erfreuliche Aufgabe. Denn wenn die Jahreszeiten sich aufmachen, um in die nächste überzugehen, dann gehören defi­nitiv auch neue Looks dazu. 

Denim Blue, also der Stoff, aus dem Jeans sind, kommt in der Strecke »Mach doch mal Blau« (ab Seite 48) großzügig zum Einsatz. In Jeans die Modewelt zu erobern ist in jedem Alter möglich, versprochen! Wir zeigen ­völlig neue Looks, denn dieses erfolg­reiche Material erlebt erstaunlicherweise immer wieder ein Revival – obwohl es nie weg war. Mein absoluter Tipp: ein Jeansjanker in blumigem Print. Bei den herrlichen Accessoires zur neuen Mode (ab Seite 26) muss ich euch nicht erst ermutigen, auf euer Herz zu hören. Ihr wollt sie alle!  

Und zum Schluss möchte ich euch mein Gespräch »Unter vier Augen« (Seite 84) ans Herz legen. Die wunderbare Alexandra Freifrau von Rehlingen-Prinz lässt uns teilhaben an der Kunst, Menschen zusammenzubringen. Denn darum geht es doch! Also, denkt immer daran, es gibt nur den einen Weg: »Listen to your heart …« 

Herzlichst
Euer Guido Maria Kretschmer