EditorialMöge dieses Jahr bitte besser werden…!

Ihr Lieben,

jetzt ist das neue Jahr endlich da, doch immer noch hängt das ­vergangene an uns wie »Pattex«, »Tesa«, »Uhu« oder irgendein ­anderes ­Klebzeug. 2020 werden wir so schnell nicht vergessen. Möge 2021 ein Jahr werden, in dem wir Covid-19 in seine Schranken weisen und alles unternehmen, um hoffentlich gesund, glücklich und stylish durchzukommen!

Wir hätten diese Ausgabe auch »Auf die Plätze, ­fertig, los – ran an den Style« betiteln können. Aber so einfach ist es mit dem Style eben nicht. Dieser kleine Angli­zismus ist so in unseren allgemeinen Sprachgebrauch über­gegangen, dass wir fast vergessen, dass er »Stil« bedeutet. Da haben wir’s: Nicht jeder, der »stylish« um die Ecke biegt, hat auch Stil. Die wildesten Looks können zwar stylish sein, aber ob sie unserem Typ wirklich Gutes tun und im Alltag bestehen, steht auf einem anderen Blatt.

Die neueste Mode gehört derzeit vielleicht nicht zu den Top Ten auf unserer Prioritätenliste, die Lust auf Veränderung und die Freude an Mode war die vergangenen Monate etwas getrübt. Dennoch bin ich sehr froh darüber, dass etwas Textiles dem Virus Einhalt gebieten kann: die gute alte Maske. Ein Stückchen Stoff rettet mitunter unsere Welt. Wenn wir von Hygiene- und Abstandsregeln einmal absehen, ist es das Schneiderhandwerk, der Fingerfertigkeit sei Dank! Sicher, eine handelsübliche Maske hat immer noch das Problem der Gummibänder. Gerötete Wangen und ein Volk von Segelohren kommt auf uns zu! ­Vermutlich wird sich die Evolution nicht davon abhalten lassen, ent­sprechend darauf zu reagieren. Ich bin mir sicher, dass es bald viele »Hinter-Ohr-Tattoos« geben wird, um die neu gewonnene Fläche ­optimal zu nutzen. Was das »Arschgeweih« in den 1990ern war, wird der »Löffeldruck« in den 2020ern. 

Masterclass
Drei Frauen, ein Studio und ein Guido. Bei unserem großen Umstyling ging es richtig zur Sache. Martina bekam auch eine neue Frisur.
Foto: Dietrich Halemeyer

Eins, zwei, Style! Auch wenn man über Mode unterschiedlicher Meinung sein kann, eines weiß ich genau: dass Kleider sehr glücklich machen und dass GMK-Vintagemodelle an tollen Frauen sehr gut aussehen können. Für die große Umstylinggeschichte dieser Ausgabe ab Seite 48 war ich beim Shooting und Styling live dabei. Martina, Anna und Pia bekamen ein komplettes Make-over. So glamou­rös die Bilder geworden sind, so unglamourös waren die Umstände, unter denen sie entstanden sind. Als zum Beispiel unsere Visagistin und der wunderbare Starfriseur Boris Entrup die neue Farbe wieder aus dem Haar waschen durften – auf der Herrentoilette im Studio –, danke, Corona! Dennoch: Die Fotos sind ­richtig toll! Und ich habe mich sooo gefreut, erleben zu dürfen, wie glücklich unsere drei Frauen mit dem Ergebnis waren. 

Kunstwerk
Karen Lukas (hinten) hat in ein paar Nachtschichten das tolle Titelkleid genäht.
Fotos: Privat

Nun ja, egal aus welchem Anlass wer sich stylt: Da unsere ­besten Looks gerade nicht mehr so oft vor die Tür dürfen, bekommt Homewear eine ganz neue Bedeutung. Es ist überhaupt nicht irre, sich für die eigenen vier Wände hübsch zu machen. Man weiß ja nie, wer sich im Treppenhaus aufhält, und ein Paketbote klingelt garantiert auch mal zwischendurch. Deswegen haben wir schön lässige, aber nicht nachlässige Looks für euch zusammengestellt (Seite 34). 

Lebst du noch …
… oder wohnst du schon? Living-Expertin Christina Poppe in ihrer – natürlich durchgestylten – Küche
Foto: Privat

Und dann habe ich für diese Ausgabe noch eine ganz besondere Frau »Unter vier Augen« getroffen (Seite 86). Silke Joos, Unternehmerin und zweifache Mutter, wirkt wie eine, die ihr Leben total im Griff hat und weiß, was sie will. In unserem Gespräch erzählt sie, wie das eigentlich auch mal so war, wie sie dann aber in die Alkohol­abhängigkeit rutschte und sich irgendwann jeder Gedanke nur noch darum drehte, sich mit ausreichend Wein zu versorgen. Ihre Geschichte ist ein gutes Beispiel dafür, wie gefährlich es sein kann, wenn wir Alkohol unterschätzen. Gerade in unserer Gesellschaft, in der das »Gläschen in Ehren« als Ausdruck von Lebensfreude und Geselligkeit gilt. 

Wie so vieles in unserem Leben ist das Maßhalten das Schwierigste. Wie erkenne ich die ersten Anzeichen einer Sucht, ab wann bestimmt sie mein ganzes Leben, und was tue ich dann? Wenn Jobverlust, Alkohol oder was auch immer einen Menschen aus der Bahn werfen, endet das nicht selten in der Obdachlosigkeit. In Deutschland leben 860 000 Menschen ohne eine feste Bleibe, und durch Corona werden es immer mehr. Menschen mit eher unsteten Arbeitsverhältnissen kommen schneller als früher in finanzielle Schwierigkeiten, mitten in unserer Gesellschaft entstehen existenzielle Probleme. In München kümmern sich Ehrenamtliche um Wohnungslose. Sie erfüllen ihnen Wünsche und helfen konkret und problem­orientiert. Dieses Charity-Projekt braucht unsere Unterstützung. Schon mal herzlichen Dank an alle, die sich engagieren möchten!

Jetzt wünsche ich euch erst mal eine gute Zeit mit der GUIDO. Einfach die Ohren von der Maske befreien und eintauchen in meine Welt. Bleibt schön stark und denkt immer daran: Eleganz hat nichts mit Mode zu tun, sondern mit Stil!

Euer Guido Maria Kretschmer