EditorialLasst euch auf Neues ein!

Ihr Lieben,

sollte die eine oder andere von euch zu denjenigen gehören, bei denen man denkt: Was hat die eigentlich immer für schöne It-Pieces? Dann herzlichen Glückwunsch! In diesem Heft dreht sich vieles um die ultimativen Must-haves, die Klassiker und die große Sehnsucht nach den Kleinigkeiten, die im Modeolymp ein Plätzchen ergattern konnten. Denn genau die machen unseren Stil zu einem besonderen. 

Aber jetzt mal ehrlich, in Zeiten wie diesen, wo die Aussicht auf eine Impfung so weit in der Ferne liegt wie eine limitierte Hermès-Handtasche, da geraten Luxuswünsche unweigerlich in den Hintergrund. Dennoch, es muss ja nicht gleich das oberste Regal sein: Taschen, Trenchcoats, Schuhe und Accessoires sind begehrt wie nie, und obwohl sie nur sehr begrenzt ausgeführt ­werden können, sind sie bei einigen von uns schon zum Teil der Einrichtung geworden. Sie ­stehen und hängen in Vitrinen, Einkaufstüten werden dekoriert, und so manche Luxusbrand ziert sogar als Tattoo das ein oder andere Körperteil. 

Zum Anfassen. Birgit Großekathöfer (links) und Redakteurin Andrea Hacke trafen sich in der Redaktion – und Guido hielt bei den Fotos erstaunlich still.
Foto: Enver Hirsch

Gleiches gilt für einige Haushaltsgegenstände, wer hätte das gedacht? Warum soll zum Beispiel der ehemals schnöde Staubsauger in der Abstellkammer versteckt werden, wenn sein Designkollege in der Begehrlichkeitsskala weit nach oben gestiegen ist? Oder nehmen wir den Grill: Früher hat er den Winter im günstigsten Fall unter einer Abdachung verbracht. Heute haben die angesagten und sperrigen Biester schon eine Abdeckhaube, und ich kenne sogar einen, der seinem Grill eine eigene kleine Behausung gebaut hat. Die volle Punktzahl und eine repräsentative Fläche bekommt eben nur das, was gefällt! Aber natürlich kann sich der Blickwinkel im Laufe unseres Lebens immer wieder ändern. 

Zumal sich unsere Welt ja gerade schneller verändert, als man gucken kann. Neues kommt, und Althergebrachtes verabschiedet sich still und leise aus unserem Alltag. Ein neuer Blickwinkel und ein Perspektivenwechsel können eine Lösung sein. Menschen, von denen wir es nie gedacht hätten, verändern sich, und Prinzen ver­lieren ihre Rolle. Harry und seine Meghan sind mittlerweile ganz normale Menschen geworden. Sie müssen für ihr Auskommen arbeiten, so weit ist es schon gekommen! Titel weg, und dann sitzt man, ehe man sich versieht, bei Oprah Winfrey unter der Pergola und kriecht mit ihr durch den Hühnerstall. Aber gut, da hält sich mein Mitleid in Grenzen. ­Dennoch ist es immer heilsam, mal innezuhalten, abzuwägen und dann im besten Fall die richtigen Entscheidungen zu treffen. 

Die volle Punktzahl kann mitunter auch ein Interview sein, das den Blick weitet. Ich genieße die »Unter vier Augen«-Gespräche immer sehr, und auch dieses Mal (ab Seite 94) hat es sich wieder besonders angefühlt. Eine wunderschöne Geschichte mit Happy End, die allen Mut machen wird, die gerade das Projekt »Wie werde ich nur endlich Mutter?« ganz oben auf der Liste haben. 

Ich weiß nicht, ob es dazu verifizierte Zahlen gibt, aber um mich herum ist der Babyboom ausgebrochen! Ob es am Lockdown liegt oder ­einfach nur passiert ist, weil der Zeiger auf Vermehrung steht – es ist ein großes Geschenk, wenn Kinder geboren werden! Eine liebe Freundin von mir ist sogar in der Menopause schwanger geworden. Obwohl sie keinen Partner hat und obwohl in Brüssel, wo sie lebt, eine Kontaktsperre herrschte … da frage ich mich doch, ob ich jetzt die zukünftige Heilige Jungfrau zur Freundin habe? Es müssen auf jeden Fall gute Zeiten sein für erfolgreiche Befruchtungen, und wenn erst der Messias in ­Belgien geboren wurde, kann für nichts mehr garantiert werden: Im Jahr 2021 geschehen Wunder! 

Die besten Adressen … in Dortmund?
Shopping-Map-Illustratorin Susan Hassman ist mittlerweile Spezialistin.
Foto: privat

Das gilt auch für den Trend »Herrenweste«. Wer hätte das gedacht: In unserer Style-Challenge steht sie im modischen Fokus. Bei dem Teil gehen bei mir allerdings immer gleich drei Lampen an – zu eng, zu weit und wohin mit dem Busen? Aber unsere wunderbaren Stylisten haben diesem Klassiker erstaunlich neues Leben eingehaucht (ab Seite 22). 

Und endlich gibt es auch wieder etwas zum Selbermachen. Zeit haben wir ja alle! Jetzt, wo es wieder Wolle gibt, kann mit der Produktion eines wunderbar luftigen Lochstrickpullis (Seite 64) begonnen werden. Gibt es ein beruhigenderes Geräusch, als gleichmäßig klappernde Strick­nadeln? Zudem geht Lochstrick viel schneller, und wo luftige Maschen den Blick auf unsere Haut ermöglichen, ist der Sommer nicht mehr weit. Lasst euch noch von unseren schönen Kleidern inspirieren (ab Seite 48), und dann kann es bald losgehen.

Jetzt wünsche ich erholsame Stunden mit der neuen Ausgabe – und denkt immer daran, es ist nie zu spät für ein Wunder … 

Euer Guido