EditorialMacht euch das Leben nicht unnötig schwer!

Liebe Guido­rianerinnen und Guidorianer,

als solche bezeichnete sich neulich ein Ehepaar in seinem Leserbrief, der in meiner Post war. Darin erklärte mir Ruth auf leichtzeilige Weise, wie ihr Mann Sven über die vergangenen Monate zum Guido­rianer geworden war. Der Satz: »Mein Mann denkt, er habe die Hosen an, obwohl ich sie ihm immer wieder rauslege«, war nur eine ihrer amüsanten Zeilen. Ach, Humor ist doch ein ­fantastisches Vehikel, um durch kuriose Zeiten wie diese zu kommen. Danke!

Maskenball In unser Hamburger Verlagshaus kommt niemand ohne »MuNaSchu« rein
Foto: Daniel Suhre

Meine Redaktion und ich haben uns für diese Ausgabe übrigens zum ersten Mal wieder alle im Verlagshaus getroffen. Natürlich mit Abstand und Masken. Gut, es gibt Körperteile, an denen ich ein Stückchen Gewebtes noch viel besser finde als gerade vor dem Mund, aber ich bin im Moment vor allem froh, dass es uns ermöglicht, wieder ein einigermaßen normales Leben zu führen.
Einige Zeitgenossen empfin-den das offenbar völlig anders: Wir ­können zusehen bei Demos, auf denen Menschen eng umschlungen mit anderen herum­laufen, die sie eigentlich gar nicht ausstehen ­können: ­Esoteriker drücken sich an Reichsbürger, die Linke schwenkt die ­Fahnen neben den Rechten, vegane Apokalypse trifft auf fleischliebende Klimawandelleugner. Was ist eigentlich gerade los in der Welt?
Ein altes Sprichwort lautet: »Tränen kehren eines Tages zu ihren Verursachern zurück.« Das sollten sich vielleicht mal die wenigen überlegen, die aktuell Großpartys feiern. Warum sich manche so schwertun, mal etwas zu machen, was vielleicht nur einen Einzigen vor etwas Schlimmerem bewahrt, will mir nicht einleuchten.
Aber zurück zum Heft. Das Titelthema dieser Ausgabe lautet »Mach mal halblang«. Oft fallen diese Worte ja, wenn wir es übertreiben. Wenn wir zum Beispiel erzählen, dass wir den Cousin von George Clooney heiraten werden, dann heißt es: »Jetzt spinnst du ja vollkommen!« Davon rede ich aber gar nicht, denn vieles ist möglich. Versteht den Satz bitte im Sinne von: Stress dich nicht so! Die meisten denken doch, sie müssten immer perfekt sein. Stimmt nicht. Etwas weniger könnte uns alle glücklicher machen! Deshalb habe ich Tipps gesammelt, die euch das Leben erleichtern sollen.

Pflegemama Gründerin Petra Teegen (rechts) und Redakteurin Andrea Hacke in Deutschlands einziger Pferdeklappe
Foto: privat 

Dazu fällt mir dann auch gleich das »Unter vier Augen«-Interview mit der wunderbaren Sabine Schmücker ein, was auch gut »Unter acht Ohren« hätte heißen können: Gebannt lauschten neben mir noch einige Redaktionsmitglieder ihren offenen Worten. Es ist ein Vergnügen, wenn Menschen ihre Erfahrungen teilen, um anderen zu helfen: Depressionen sind wie ein Rucksack, der sehr schwer zu schultern ist. Und es braucht mehr als Psychopharmaka und guter Worte, um dieser Krankheit die Schwere zu nehmen. Ich hoffe, dass unser Gespräch etwas Licht schaffen kann für Betroffene und ihre Angehörigen. Und wenn die Klappe noch nicht offen steht, also kaum ein Ausweg zu finden ist, tut es vielleicht gut, zu lesen, wie es jemand anderes aus dem Tief herausgeschafft hat.
Apropos Klappe: Eine Pferdeklappe ist eine Einrichtung, die erst einmal für Erstaunen sorgt. Was für ein Segen, dass ungewollte Neugeborene in einer warmen Babyklappe auf helfende Hände hoffen können. Möge dem Menschen, der diese Idee hatte, ein großes Denkmal gesetzt werden! Dass es so eine Klappe allerdings mal für Pferde geben würde, hätte vermutlich keiner gedacht. Aber was sollen Besitzer von so großen Tieren machen, wenn sie Probleme mit der Fürsorge haben? Die einzige Pferdeklappe Deutschlands befindet sich in der Nähe der Ostsee, in Norder­brarup, und bietet in Not geratenen Pferden und ihren Besitzern eine ­Rettung. Petra Teegen heißt die Frau, die unter normalen Umständen in diesem Frühjahr vielleicht acht Pferde in ihrer Klappe vorgefunden hätte. Da sich durch Corona offensichtlich viele so ein Tier nicht mehr leisten können, ist die Zahl mal eben auf 29 gestiegen, die versorgt, gepflegt und vermittelt werden müssen. Grund genug, in unserer Charity davon zu berichten. Und hier schon mal ein großes Dankeschön an alle, die dieses einzigartige Projekt in Schleswig-­Holstein unterstützen!

Matschepampe Das Plätzchen von Guido war nicht so ideal für Fotograf Christoph Köstlin
Foto: privat

Gut zu Pferden – das passt auch perfekt zu unserer Modeinspiration »Country-Style« – sogar gut für die wenigen, die Pferden nichts abgewinnen können. Dieser Look ist jedenfalls großartig und erinnert an das gute Amerika. An lässige Girls in Boots. Frauen, die ihr Leben selbst in die Hand nehmen. Ich bin mir sicher, dass in dem einen oder anderen Schrank noch etwas Wilder Westen verstaut ist. Das Gute am Country-Style: Er lässt sich wunderbar kombinieren und steht erstaunlich vielen Frauen. Unsere Modestrecke macht Lust auf Lederweste und Cowboystiefel oder die eigenwilligen Modedevotionalien dazu. Kleiner Tipp: Madonna hat für ihren Song »Don’t Tell Me« schon vor 20 Jahren ein wunderbares Video in diesem Look gedreht – das ist heute so aktuell wie damals. Ich habe es gleich bei der Redaktionssitzung abgefeuert und, was soll ich sagen, wir hatten es alle für den restlichen Tag vor Augen und Ohren.
Und zum Schluss denkt dran: Leben bedeutet, sich immer wieder zu verändern. Perfekt zu sein bedeutet, sich oft verändert zu haben.

Herzlichst
Euer Guido Maria Kretschmer