EditorialZuversicht ist das, wonach wir streben!

Ihr Lieben,

von Herzen begrüße ich euch zur letzten GUIDO des Jahres. Aber im selben Moment auch zur ersten GUIDO des neuen Jahres! Eine Doppelausgabe – da haben wir’s!

Das alte 2020 ging leider so weiter, wie es vor exakt einem Jahr kein Mensch vermutet hätte. Als wäre in großen Buchstaben »Change« in den Himmel geschrieben worden, lesbar für alle von Timbuktu bis Hintertupfingen, wenn es das überhaupt gibt.

An dieser Stelle sollte einmal an alle gedacht werden, die Covid-19 mit dem Leben bezahlt haben. Der für mich berührendste Satz des Jahres waren die Worte einer Niederländerin, die ihren Mann mit 48 Jahren an Corona verlor. »Ich würde gern in die ­Vergangenheit reisen. Nicht um etwas anders zu machen, sondern um ihn noch einmal zu umarmen«. Ich denke gerade oft an Menschen, die nicht mehr zu erreichen sind, weil sie nur noch in meinen Erinnerungen leben. Was für ein Jahr! Vielleicht eines, das uns rät, sich wieder den wesentlichen Dingen zu widmen.

Diese Ausgabe steht unter dem Titel »Daran hängt mein Herz«. Damit ist auch der schöne Wintermantel gemeint, die kleine Tasche von der großen Marke, irgendetwas, worauf wir unter keinen Umständen verzichten ­wollen. Die Liebe zum Partner, den Eltern, den Freunden, dem Hund, der versammelten Menschheit, die setze ich einmal voraus. 

Es geht hier vielmehr um das Beiwerk, die kleinen und ­großen Dinge, denen wir Bedeutung geben. Ich habe im ablaufenden Jahr gelernt, dass ich mehr Zeit mit mir allein verbringen muss, dass ich im wohldosierten Allein etwas Elementares habe, das mir niemand sonst geben kann: Zuversicht! In Zeiten permanenter News ist es unerlässlich, sich auf seinen gesunden Menschen­verstand zu verlassen – der ist momentan ja leider nicht so in Mode.

Im Darkroom Voll duster hier! Aber selbst schuld: Digital Operator Ben checkt die Las-Vegas-Style-Leuchtreklame für GUIDOs cooles Cover
Foto: Privat

Apropos Mode. Wir haben uns gedacht, wenn das Jahr keine Möglichkeiten bietet, mit Glanz und Gloria um die Häuser zu ziehen, auf wilden Partys die Pailletten- und Glitzermaus zu sein, dann muss es Alternativen geben. Unsere stylishen und sehr klugen Redakteurinnen haben eine schöne neue Modestrecke für all diejenigen ­kreiert, die endlich mal das große Textilbesteck in den Alltag tragen wollen. Diese Seiten sind meine ultimative Inspiration und ein ­Meilenstein in der Nutzung der Bling-Bling-Garderobe, die normalerweise im Hellen nicht vor die Tür kommt. Zum Jahresende sollte jetzt mal alles möglich sein. 

Warum nicht einfach dem Einkauf im Supermarkt etwas mehr Glamour und Individualität schenken? Motto: »Wenn dich dein Leben nervt, streu Glitzer drüber«. Die Glam-Garderobe erobert das reale Leben, die nächste Party ist überall und zu jeder Zeit! Alle, die etwas Mut haben, machen jetzt bitte mit, denn dieser Tage kann es gar nicht genug funkeln. Wie das geht, zeigen wir ab Seite 26.

Im Gespräch Redakteurin Nele und Jurastudentin Batoul, die sich als »Youth Advocat« für Plan International um geflüchtete Minder­jährige kümmert
Foto: Privat

Die Mode kommt in unserer Doppelausgabe selbstredend nicht zu kurz, deshalb gibt es auch eine wunderschöne Vorher/nachher- Geschichte. Eine schwangere Frau erlebt ein Umstyling. Ist es nicht das größte Wunder, die Endstufe von Kreativität und die ultimative Hommage an das Leben, wenn ein neues Menschlein geboren wird? Die erste Fotostrecke in der GUIDO mit einer schwangeren Frau findet ihr ab Seite 42. 

Jetzt möchte ich noch das von mir geführte Interview mit Karin Mück erwähnen (Seite 86). Sie ist so eine Art Ulrike Meinhof des ­Tierschutzes – zumindest zog ein Staatsanwalt vor einigen Jahren ­diesen Vergleich. Dass in dieser Aussage die Radikalität ihren Ausdruck finden sollte, ist beim Zuhören ihrer Geschichte nicht von der Hand zu weisen. In Isolationshaft lebte sie in Nachbarschaft einer anderen RAF-Terroristin.
Für Karins Geschichte gab es keine Aufmerksamkeit: »Tierschützer werden immer belächelt, nicht ernst genommen«, sagt sie. Diese mutige Frau kämpft für das Leben der Tiere. Sie lebt heute mit ihrem Partner auf einem Bauernhof, ­bietet Platz für geschundene Kühe und hört nicht auf, den Menschen zu erzählen, was es heißt, couragiert für das Leben einzustehen. Sie sagt heute: Sie lebt ihren Traum. 

Nicht weniger besonders ist unsere Reportage über Sun City, ein Rentnerparadies in Arizona (Seite 92). Kein schlechter Platz, um seinen Lebensabend zu verbringen. Im Alter selbstbestimmt und nach seinen Bedürfnissen zu leben sollte eigentlich ­Normalität sein. Man kann über die USA zu Recht den Kopf ­schütteln, eines steht fest: Hier kann das Alter schön schräg gelebt werden. Frei nach der Devise: Lerne aus deinem Gestern, vergiss nicht, dich auf das Morgen zu freuen – und verpasse auf keinen Fall, im Jetzt zu sein!

Nun bleibt es mir, euch von Herzen ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein gesundes und gutes neues Jahr zu wünschen! Euer

Guido Maria Kretschmer